# Mindset

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# Talent Stack

"As I explained in my book, there are two ways to make yourself valuable. The first way is to become the best at some specific skill, the way Tiger Woods dominated golf. But not many of us can be Tiger Woods. So that path is unavailable to 99% of the world. I recommend a different approach. Most people can – with practice – develop a variety of skills that work well together. I call this idea the Talent Stack." – Scott Adams

Scott Adams, Autor der weltberühmten Dilbert-Comics, hat dieses Konzept gecoined. Es besagt, dass es neben der 10.000-Stundenregel (Fußballer, Schauspieler oder Musiker) auch noch eine andere Möglichkeit gibt, sehr erfolgreich zu werden. Möglich macht dies das Konzept des Talent Stacks. Der Talent Stack beschreibt alle Fähigkeiten einer Person. Laut Adams kann man durch die Kombination von verschiedenen Fähigkeiten einen Talent Stack aufbauen, der einem dabei hilft erfolgreich zu sein. Wie kann das konkret aussehen?

Er nimmt sich selbst als Beispiel:

  • Er ist ein überdurchschnittlicher Comedian, aber nicht Weltspitze;
  • er ist überdurchschnittlicher Comiczeichner, aber nicht Weltspitze;
  • er hat überdurchschnittliches Wissen über Unternehmern, aber ist hier nicht Weltspitze;
  • er kann überdurchschnittlich gut mit Technologien umgehen, ist aber, auch hier, weit entfernt davon, Weltspitze zu sein.

Die Kombination dieser Fähigkeiten schafft einen Talent Stack, der es ihm ermöglicht hat, einer der erfolgreichsten Comic-Autoren aller Zeiten zu werden. Man muss nicht zwangsläufig in einem Bereich Weltspitze sein, es geht auch mit der Kombination von mehreren Bereichen, in denen man "nur" überdurchschnittlich ist. Die Kombination vieler wertvoller Fähigkeiten fügt sich wie ein Venn-Diagramm zu einem erfolgsversprechenden Gesamtbild zusammen.

Matthew Butterick aus den USA ist ein anderes Beispiel. Butterick ist Anwalt, Typograph, Webdesigner und Autor. Ist Butterick der beste Anwalt der USA? Mit Sicherheit kann man das nicht beantworten. Sicher ist aber, dass er ein Anwalt ist, der in Harvard studiert hat und neben seinem Jura-Studium auch noch einen Design-Abschluss aufweist. Die daraus resultierenden Fähigkeiten hat er genutzt, um eine Schriftart zu erstellen, die sich speziell an Anwälte richtet. Dann hat er noch Buch und Webseite erstellt, die sich mit professioneller Typographie (insbesondere für Anwälte) befassen. Diese Kombination ist ein tolles Beispiel für einen exotischen Talent Stack.

Beispiele

  • Scott Adams
  • Donald Trump
  • Matthew Butterick

Verwandte Modelle

  • Kombinatorik
  • Denken in Wahrscheinlichkeiten
  • Komplexe Systeme
  • Emergenz

# Circle of competence

"Ich weiß, dass ich nichts weiß" — Sokrates

Auch Buffet nutzt dieses Modell für die Entscheidungsfindung. Er macht nur Investments in Branchen und Unternehmen, die innerhalb seines Circle of competence liegen. Deshalb hat er lange auch keine Investments in Internet-Technologien gemacht, da er sie nicht genug verstanden hat.

Es hilft ungemein, nicht nur zu wissen, was man weiß, sondern insbesondere auch zu wissen, dass man vieles einfach nicht weiß. Alles was man nicht weiß, ist nicht Teil des Circle of competence. Man tut gut darin, zu Wissen, wo hier die Grenzen liegen.

"If we have a strength, it is in recognizing when we are operating well within our circle of competence and when we are approaching the perimeter." — Warren Buffett

Es gilt, den Circle of competence im Laufe des Lebens kontinuierlich auszuweiten. Je größer der Umfang des Kreises, desto mehr Berührpunkte mit neuen, interessanten Themen oder Möglichkeiten gibt es.

Ich habe unabhängig von Buffett das Konzept der dreidimensionalen Wissenskugel für mich erfunden. Die Wissenskugel steht für das vorhandene Wissen. Wissen, das sich unmittelbar in der Nähe der Oberfläche der Kugel befindet, kann schnell gelernt werden. Dadurch wächst die Kugel. Innerhalb der Kugel kann sich das Wissen frei bewegen. Im Kern ist das fundamentale Wissen. Neues Wissen kann demzufolge auch zum Kern der Kugel wandern und diesen vergrößern.

Die Metapher der Wissenskugel besagt, dass das Aneigenen von Wissen exponentiell ist. Denn die Oberfläche der Kugel wächst nicht linear, sondern exponentiell. Es ist beispielsweise leicht, Spanisch zu lernen, wenn man bereits Portugiesisch und Französisch kann. Kennt man diese drei Fremdpsrachen, ist Italienisch und Rumänisch eine noch leichtere Herausforderung.

Ähnlich verhält es sich beim Programmieren: Wer bereits ein JavaScript-Framework beherrscht, kann schnell noch weitere Frameworks erlernen. Im Übrigen zeigt sich hier die unfassbare Macht des Compound-Effekts/Zinseszins-Effekts. Denn dadurch, dass neues Wissen auf bestehendem Wissen aufbauen kann, wächst das Wissen exponentiell wie ein Investment in einem ETF.

Beispiele

  • Warren Buffett
  • Sokrates
  • Die Wissenskugel
  • Lernen von Fremdpsrachen

Verwandte Modelle

  • Unknown unknowns

# Done ist better than perfect

"Plans are useless, but planning is indispensable." — Dwight D. Eisenhower

Viele Ingenieure planen und planen, um ein möglichst perfektes Produkt zu entwickeln. Oft es ist aber besser, ein einfaches, aber funktionierendes Produkt (MPV) zu erstellen und dieses dann zu verbessern.

Dasselbe gilt zum Beispiel für Workouts: Ein gutes Workout ist besser als ein perfekt geplantes, das man dann nicht macht. Zu viel Planen führt zu nichts, es ist oft besser, einfach anzufangen. Anders formuliert: In Schönheit sterben bringt nichts.

"I have several friends that are incredibly talented. They will start on projects but rarely follow through. They get bored or distracted or discouraged that it's not "perfect" and give up. Following through and finishing things is one of the most important things you can learn." — Ben Barry

Die Amerikaner haben, anders als die Deutschen, diese Mentalität verinnerlicht. Das ist einer der Gründe dafür, warum die Amerikaner bessere Software bauen als die Deutschen (und die anderen Europäer). In der kulturellen DNA der USA gibt es einen Bias hin zur Aktion. In Europa ist dieser Bias auf der Planung.

Anders als die Amerikaner können die Deutschen allerdings Hardware bauen: Maschinen, Autos. Es scheint, als funktioniere Planung bei Hardware besser und shcnelles Handeln bei Software. Das zeigt sich beispielseise bei Tesla vs. deutsche Autohersteller. Während letztere im Labor planen, wie das Selbstfahren gestaltet werden soll, wird bei Tesla fleißig probiert. Wie man sieht kann das allerdings auch sehr gefährlich sein, denn in den Medien wird immer wieder von tödlichen Tesla-Unfällen berichtet.

Tatsache ist, dass geplante Produkte nicht verkauft werden können. Dagegen findet bereits ein einfaches MVP Abnehmer und kauf durch schnelle Feedback-Loops weiter entwickelt werden. Dieser Ansatz wird im Buch "ReWork" der Basecamp-Gründer sehr kurzweilig und knackig beschrieben.

Beispiele

  • Facebook
  • Stephen Guise
  • Agile Methoden
  • Softwareentwicklung

Verwandte Modelle

  • Aktionen vs. Worte
  • Theorie vs. Praxis
  • Minium Viable Product

# The path less travelled

Man kann der Meinung der Mehrheit, dem Konsens folgen, oder aber eigene Wege gehen. Je nach Situation ist das eine oder das andere besser. Allerdings: Will man das haben, was weit rechts von der Mitte einer Gauß-Kurve liegt, muss man auch ein Investment fahren, das viele Sigmas hat. Konkret: Man muss den path less travelled wählen. Nicht jeder ist bereit entsprechend viel zu investieren. Wer den Markt schlagen will, wird dies nie schaffen, wenn er sich wie der Markt verhält.

Wenn man von der Mehrheitsmeinung abweicht, gibt es zwei Richtungen, in die man abweichen kann: nach oben und nach unten. Tatsächlich scheint es sich eher um einen Kreis zu handeln. An den beiden Enden stehen Genie und Wahnsinn, und der Volksmund weiß, dass sie oft nah genug nebeneinander liegen.

Unternehmer bewegen sich fast immer auf dem path less travelled. Manche, wie Steve Jobs, führt dieser Weg zum Heldentempel des Unternehmertums. Andere, z.B. Elizabeth Holmes, die in Jobs' Fußstapfen treten wollte, führt dieser Weg in den Ruin und womöglich sogar ins Gefängnis.

Beispiele

  • Christopher Kolumbus
  • Steve Jobs
  • Das iPhone mit dem Touchscreen
  • Elon Musk und Tesla

Verwandte Modelle

  • Normalverteilung

# Skin in the Game

SITG zu haben, bedeutet, dass man sowohl von den positiven wie auch den negativen Folgen einer Handlung betroffen ist. Wer an der Front kämpft, hat SITG.

"What is Skin in the Game? The phrase is often mistaken for one-sided incentives: the promise of a bonus will make someone work harder for you. For the central attribute is symmetry: the balancing of incentives and disincentives, people should also penalized if something for which they are responsible goes wrong and hurts others: he or she who wants a share of the benefits needs to also share some of the risks." — Nassim Taleb

Laut Taleb führt ein Mangel an SITG zu einer Anhäufung an Risiken: Banken profitieren von riskanten Aktionen und wenn sie verlieren, rettet sie der Steuerzahler. Das ist eine Asymmetrie – Banker haben kein SITG. Andere Personengruppen, die laut Taleb kein SITG haben sind: Unternehmensberater, Journalisten, Politiker und angestellte Manager im Gegensatz zu Unternehmern, die mit ihrem Privatvermögen haften.

Das Konzept von SITG ist nicht neu. Taleb beschreibt zum Beispiel die als Codex Hammurapi bekannte Leitlinie. Diese alte 5.000 Jahre alte Rechtsnorm besagt folgendes:

"If a builder builds a house for a man and does not make its construction firm, and the house which he has built collapses and causes the death of the owner of the house, that builder shall be put to death." — Codex Hammurapi

Die Strafe erscheint aus heutiger Sicht drakonisch. Allerdings gibt es eine Symmetrie zwischen Risiko und Belohnung. In vielen Verhältnissen der heutigen Zeit gibt es eine Asymmetrie: Manager profitieren von einem hohen Aktienkurs, den sie möglicherweise durch myopische Aktionen erreichen. Von den negativen Folgen sind sie aber selten betroffen. Diese Asymmetrie ist es, die Taleb kritisiert. Er plädiert dafür, Incentives so zu gestalten, dass es ein Gleichgewicht von Risiko und Belohnung gibt.

Grundsätzlich gilt: Wer SITG zeigt, zeigt, dass er es ernst meint und hinter der Sache steht, für die er sich einsetzt.

Beispiele

  • Maurer
  • Alexander der Große
  • Nassim Taleb
  • Ärzt

Verwandte Modelle

  • Anreize
  • Theorie und Praxis
  • Prinzipal-Agent-Probleme

# Intellecutal Yet Idiot

In seinem Buch "Skin in the Game" beschreibt Taleb den Intellectual Yet Idiot (IYI). Der IYI ist auf dem Papier ein Akademiker, versteht die Welt aber nicht, ist letztlich also doch ein Idiot. Für Taleb sind fast alle Journalisten, Consultants, Politiker und Psychologen IYIs – eine Einschätzung, die ich nicht vollumfänglich teile. Nichtsdestotrotz ist IYI ein Konzept, das sich oft bewahrheitet, und viele Personen kennen mindestens eine andere Person, auf die die Bezeichnung IYI zutreffend ist.

"More socially, the IYI subscribes to The New Yorker. He never curses on twitter. He speaks of "equality of races" and "economic equality" but never went out drinking with a minority cab driver (again, no real skin in the game as the concept is foreign to the IYI). Those in the U.K. have been taken for a ride by Tony Blair. The modern IYI has attended more than one TEDx talks in person or watched more than two TED talks on Youtube. Not only did he vote for Hillary Monsanto-Malmaison because she seems electable and some such circular reasoning, but holds that anyone who doesn’t do so is mentally ill." — Nassim Taleb

Mir fällt dazu auch das Buch "Rich Dad, Poor Dad (opens new window)" von Robert Kiyosaki ein: der "poor dad" hat einige der Eigenschaften, die einen IYI ausmachen.

IYI korreliert mit dem deutschen Wort "Fachidiot", ist meiner Meinung aber ein allgemeingültigers Konzept. IYI beschreibt, wie das Handeln von sehr gebildeten und intelligenten Menschen zu einem schlechten Ergebnis führt. Wie konnte Lehman Brothers derart viel Asset-Value vernichten. Wie können manche Gremien voller hochkarätiger Mitlgieder solche falschen Entscheidungen treffen?

Beispiele

  • Journalisten
  • Nate Silver

Verwandte Modelle

  • Bauernschläue
  • Thoerie vs. Praxis
  • Effective truth

# Externally enforced discipline

Die wenigsten Menschen haben genug Selbstdisziplin und Willenskraft, immer das zu tun, was für sie am besten ist. Externally enforced discipline, sei es durch die Schule oder den Arbeitgeber, sorgt dafür, dass wir trotzdem lernen oder arbeiten (das heißt nicht zwangsläufig, dass Arbeiten immer für uns am besten ist).

Aus diesem Grund sind viele Menschen auch bessere Arbeitnehmer als Unternehmer, da man als Arbeitnehmer durch das Korsett der externally enforced discipline dazu "gezwungen" wird zu arbeiten. Dasselbe gilt für die Erziehungsmethode der als Tigermutter bekannte Yale-Professorin Amy Chua.

Auch Deadlines sind eine Form von externally enforced discipline. Das Parkinsonsche Gesetz besagt, dass Arbeit immer die Zeit einnimmt, die man ihr gibt. Studien haben gezeigt, dass Studenten immer dann ihre Hausarbeit abgeben, wenn die Deadline ansteht. Verschiebt man die Deadline zwei Wochen nach vorne, dann wir auch die Arbeit zwei Wochen vorher fertig.

Beispiele

  • Parkinsonsches Gesetz
  • Arbeitnehmer
  • Schulpflicht
  • Hausaufgaben
  • Amy Chua
  • Chinesische Erziehung
Zuletzt geändert: 2/22/2021, 10:34:51 PM